Toronto- Elective Startseite | Profil | Archiv
Damit auch ihr im Warmen verfolgen könnt, wie wir frieren ;-)

17.03.200717.03.2007

Wetter: -4°C, Schnee, mal wieder

Nachher hat das Warten ein Ende: ich kann endlich Stefan vom Flughafen abholen!!!! J J J

Der Arme bekommt gleich den Re-Wintereinbruch zu spüren- heute Nacht hat es mal wieder5 bis 10 cm Schnee gegeben. Hoffe der Flug hat nicht allzu viel Verspätung….  Während Birgit und ich acht Stunden geflogen sind (und das war schon lange genug), kündigt sein flight status aktuell schon etwas über neun Stunden an und da sind etwaige Warteschleifen noch nicht mitgerechnet.

Bin gestern noch etwas durch die Gegend gestromt, war bei H&M shoppen und habe mir die wundersamer Weise passenden Jeans und einen Pulli geholt. Eigentlich etwas hohl, die Klamotten nach Europe zu re- importieren. Die Sneaker die ich mir gekauft habe, sind ja auch von adidas, aber wenigstens Made in China ;-)

Wie in Deutschland stehen hier auch seit Woche die Oster- Sachen in allen Geschäften. Interessanterweise ist deutsche Schokolade der Renner. Es gibt generell enorm viel Lindt- Sachen (oder ist das eher schweizerisch?) und auch Ritter- Sport.

Der Hit zu Ostern: der „Lindt gold bunny“ -natürlich auch hier nur original mit dem Glöckchen ;-) Aber auch das restliche komplette Lindt- Oster- Sortiment ist vertreten, von der Schoko-  Karotte über die kleinen Kugeln bis hin zur Pralinen Edition. Natürlich nicht gerade zum Schnäppchen- Preis. Glaubt also nicht, ihr würdet einen gold bunny als Souvenir bekommen ;-)

Das Beste habe ich jedoch gestern entdeckt: kennt ihr Riegelein- Schokolade? Das sind diese ziemlich großen Oster- bzw. Weihnachtstüten, in denen zwar recht viel drin ist, die Schokolade aber dafür extrem furchtbar schmeckt. Wird gerne in Geschenk- Tüten von manchen Arbeitgebern verwendet, da viel Masse für wenig Geld. Jedenfalls hat sich die hier unter die Lindt- Sachen geschmuggelt- zu ähnlichen Preisen…

Am Donnerstag bekam mich plötzlich extremer Eis- Heißhunger. Hier in der Nähe gibt es eine extrem gute Eisdiele, die aber sehr ungemütlich ist (fast food stil). Da das Wetter herrlich anmutete, habe ich mir also einen Becher geholt und wollte damit einen Spaziergang in den Park (etwa 20 Minuten pro Weg) machen. Was soll ich sagen? Das Eis (Cookie&Cream und  Rasberry Cheese Cake) war sehr lecker, aber bei -2°C wird es draußen mit Eisbecher trotz strahlendem Sonnenschein verdammt kalt! Bis zum Park bin ich jedenfalls nicht gekommen. Aber: ich scheine langsam an kanadische Verhältnisse zu adaptieren: Lust auf Eis bei Minusgraden und dann damit noch draußen rumlaufen. Wird langsam Zeit, dass ich wieder nach Deutschland komme…

 

 

 

0 Kommentare | Permanenter Link

13./14.03.200716.03.2007

NACHTDIENST 2

Lässt sich eigentlich nur mit total super beschreiben…

Das war wirklich das verdiente Gegenteil von gestern! Bin ja schon mit dem Gedanken „es kann nur besser werden“ hingegangen und das hat sich voll bewahrheitet.

Den Arzt von heute hatte ich letzte Woche schon mal kennen gelernt. Er ist Italiener und die sind ja bekanntermaßen ziemlich locker drauf. Also kein Gemecker, es war im Gegenteil ziemlich lustig. Außerdem hatte ich vernünftig geschlafen und es gab viel zu tun.

Also nix wie ran an die Akten…

PATIENT 1: Durchfall

Liegt äußerst leidend auf seiner Pritsche- seit heute Morgen hat er Durchfall und Bauchweh. Dazu schildert er mir die Bilderbuchsymptome eines Magen- Darm- Infekts: seit gestern Unwohlsein, Gelenkschmerzen, frösteln. Danach dann der Durchfall. Schon neunmal habe er heute auf die Toilette gemusst (na so was *g*), kein Blut, kein Fieber, keine Grunderkrankungen, keine lokalen Bauchschmerzen und nicht erst gerade aus den Tropen wiedergekommen. Flüssigkeit und Suppe bleibt drin. Auf die Frage, ob er denn schon Medikamente eingenommen hat, packt seine Frau einen ganzen Leinenbeutel aufs Bett (wie im schlechten Film): Elektrolytlösung, Ibuprofen, Bismuth und diverse andere Magenmittel.

So richtig schlecht geht es ihm eigentlich auch nur, er ist nur gekommen weil Telehealth ihm dazu geraten hat. Dabei handelt es sich um eine von vielen Ärzten verfluchte „Sparmaßnahme“. Man kann bei Beschwerden eine Hotline anrufen, wo dann die Symptome nach Algorithmen aufgeschlüsselt werden. Böse Zungen behaupten, am Ende eines jeden Zweiges steht „suchen sie besser einen Arzt/ eine Notaufnahme auf“.

Ich schicke ihn mit der Diagnose „Diarrhea, GI- tract- infection“ (merkt ihr was? heute mache ich die Diagnosen *g*) und dem Hinweis sich Imodeum aus der Apotheke zu holen wieder nach Hause.

 

PATIENT 2: Bauchschmerzen

Es handelt sich um eine Studentin Anfang 20, die eigentlich in Brasilien lebt und nur für zwei Monate in Kanada ist. Seit etwa einer Woche hat sie Schmerzen im rechten Unterbauch, die seit heute Nachmittag unerträglich geworden sind. Dazu kommen Fieber und  Erbrechen. Sie liegt in dieser zusammengekauerten Lage da, die nichts Gutes verheißt. Mit Hilfe einer dolmetschenden Bekannten bekommen heraus, dass die Schmerzen in der Nabelregion begonnen haben und dann in den rechten Unterbauch gewandert sind. Sie kann sich vor Schmerzen kaum rühren. Bei der Untersuchung ist die Bauchdecke bretthart. Auf die Testung diverser Druckpunkte verzichte ich mal. Wenn das kein Klassiker ist…

Also ab zum CT (ich wärme das mit dem Sono jetzt nicht noch mal auf). Allein das treibt die Gute zur Verzweiflung. Sie will partout am Freitag zurück nach Brasilien fliegen und nur was gegen Schmerzen. Es geht wohl auch um die Kosten, da sie wohl versichert ist aber erstmal alle Rechnungen vorstrecken muss. Irgendwie lässt sie sich dann doch überreden.

Als wir das Ergebnis bekommen, tickt sie total aus. Ist nämlich ein perforierter Appendix, also OP und zwar jetzt und hier. Letztendlich gibt sie sich geschlagen und sieht ein, dass sie in ihrem Zustand nirgendwo hingehen kann.

 

PATIENT 3: wieder Bauchschmerzen

Der etwas älteren Dame tut es zur Abwechslung rechts oben weh. Die Anamnese ist wenig schlüssig- das kann ja prinzipiell alles Mögliche sein, vor allem weil es ihr eigentlich überall weh tut. Die Leberwerte sprechen dann aber eine eindeutige Sprache. Und bei Verdacht auf Gallenprozess gibt es sogar hier ein Ultraschall. Diagnose: Gallensteine, biliäre Obstruktion; an die Chirurgie abgeturft.

 

PATIENT 4: Hb- Abfall

Der Aufnahmebogen der gut 80jährigen Italienerin gibt nur die grandiose Aussage „abnormale Laborwerte“ wieder. Mit den Unterlagen zusammen fällt mir ein achtseitiger Arztbrief ihres Internisten in  die Hände. Er enthält eine ausgiebige Diskussion sämtlicher Organsysteme. Nachdem ich irgendwann die relevante Passage gefunden habe, rekonstruiert sich die Geschichte wie folgt: vor einer Woche fiel beim Hausarzt ein Hb knapp über 9 auf. Da sie im letzten Jahr eine unauffällige Koloskopie hatte und zudem unter epigastrischen Schmerzen leidet und ASS nimmt, sollte heute der Internist über die Indikation zur Gastroskopie entscheiden. Auf acht Seiten kommt er zum selben Ergebnis wie der Hausarzt, der Brief (an den Hausarzt gerichtet) endet in etwa: „…sollte der Vollständigkeit halber eine Gastroskopie durchgeführt werden, deren Organisation ich  in ihre verantwortungsvolle Hände lege…blabla…“  Ich weiß nicht, ob mir der Sinn dieses Konsils einleuchten muss. Jedenfalls wurde heute noch mal Hb kontrolliert, der nun nur noch knapp über 8 lag.

Zur rektalen Untersuchung geschweige denn zum Hämoccult hat es bei keinem der beiden Ärzte gereicht- das blieb dann mir hier und jetzt überlassen. Und wer hätte das gedacht: der Hämokkult war doch tatsächlich positiv…

Also zwei Tüten Blut bestellt zum Wiederauffüllen. Ich hätte ja  gedacht, dass sie dann auch stationär aufgenommen wird- zumindest wenn man nach unseren Maßstäben geht. Aber sie hat dann 2 EKs bekommen und wurde wieder nach Hause geschickt, um sich einen ambulanten  Gastro- Termin zu holen. Fand ich in Anbetracht des Alters, des Blutverlusts und der Tatsache, dass sie kardial vorbelastet ist schon heftig. Aber um es hier zur stationären Aufnahme zu bringen, muss man schon ziemlich ziemlich krank sein. Eine simple TVT oder Lungenembolie reicht da nicht. Es werden auch massenhaft Leute mit ZVK entlassen, die dann zu Hause ihre IV- Medikation bekommen (warte noch auf den ersten, der mir Katecholamin- Perfusor nach Hause  geht…).

Diagnose: anemia, upper GI- bleeding

 

PATIENT 5: Durchfall (zur Abwechslung mit Erbrechen)

Irgendwie scheint das heute zur gastrointestinalen Notaufnahme zu mutieren.

Dieser Dame kann man es aber nicht verübeln, dass sie es bis ins Krankenhaus gebracht hat. Da sie ordentlich dehydriert ist, darf sie für ein paar Stunden bleiben und kriegt zwei Liter Kochsalzlösung. Danach geht es  ihr wesentlich besser und ich kann sie quasi als geheilt nach Hause schicken.

 

PATIENT 6: rotes Auge

Tatsächlich mal was außerhalb des Magen- Darmtrakts!

Erwähnte ich eigentlich, dass der größte Teil meines Augenheilkunde- Praktikums dem Ärztestreik zum Opfer gefallen ist? Nicht dass ich das damals bedauert hätte, aber Ahnung habe ich in dem Fach nicht und mit einer Spaltlampe kann ich schon gar nicht umgehen. Erwähnte ich eigentlich, dass ich in genau diesem Fach eine eins habe (dank der Altfragen aus dem GK, die die immer  benutzen)? Ich glaube, ich habe sogar von Strahlenmedizin mehr Ahnung!

Bevor ich also zu dem Patienten gehe, konsultiere ich erstmal in dem zum Glück vorhandenen Farbatlas der Augennotfälle das Kapitel „red eye“. Soll die Existenz dieses Buches mich eigentlich darauf schließen lassen, dass andere Leute genauso fundierte Kenntnisse in diesem Fach haben? So gewappnet (natürlich ohne den Atlas *g*) nehme ich dann das Auge in Augenschein (oh man, meine Witze waren hoffentlich auch schon mal besser). Der Patient hat es mir zum Glück nicht schwer gemacht. Keine Schmerzen, kein Jucken, Tränen, Sehverslust oder Schmerzen sondern einfach nur eine etwas größere geplatzte Ader. Nachdem ich ihm schon mal verklickert habe, dass das weder schlimm ist noch das man das irgendwie behandeln müsste, hole ich zur Vorsicht noch den Doc dazu. Er stimmt mir aber zu und wir fragen uns beide, wie man dafür über vier Stunden freiwillig wartet. Diagnose: subconjunctival hemorrhage

 

PATIENT 7: Angst

Ein siebzehnjähriger mit seit zwei Jahren bekanntem Herzrasen, Engegefühl und Panik, die regelmäßig 2-3 Mal die Woche auftreten und zwar nur auf der Arbeit. EKG ist normal und in kardiologischer Betreuung hat er sich auch schon befunden. Warum der Vater ihn jetzt ausgerechnet heute Abend in die Notaufnahme gebracht hat, lässt sich nicht nachvollziehen. Ich kann auch nur sagen, dass das Problem wohl nicht organischer Natur ist und es sich nach Angstattacken anhört. Unser Arzt gibt ihm noch ein Rezept für Lorazepam mit, das er bei Bedarf nehmen soll (finde ich heftig, das einem Teenager zu verschreiben, den man etwa zwei Minuten gesehen hat…).

 

PATIENT 8: Würmer

Oder zumindest glaubt sie welche zu haben. Die Neunzehnjährige ist mit ihrer Mutter da. Bei meiner eigenen Wurmphobie (noch mal vielen Dank an meinen Biolehrer aus der neunten Klasse) hat sie ja zu einem gewissen Grad meine Sympathie. Die wird allerdings durch die Uhrzeit und der Tatsache, dass die beiden an den letzten beiden Wochenenden schon zweimal mit unwesentlichen Beschwerden da waren gemindert. UND WAS BITTE SOLL ICH an diesem Problem morgens um vier in der Notaufnahme ändern???

Kann ich ja verstehen, dass sie das eklig findet, aber um acht wird wohl ihr Hausarzt aufmachen. Mein Angebot beschränkt sich darauf, schon mal einen Pott für die Stuhlprobe zu organisieren, damit direkt was bei ihrem Arzt zum Abgeben hat. Als ich zurückkomme, ist die Mutter (die schon einen riesen Aufstand von wegen „wie um Gottes willen man sich denn so was einfangen kann“) gerade verschwunden, so dass ich mit dem Mädel noch mal vernünftig reden und versichern kann, dass sie nicht von Innen aufgefressen wird, bis die Parasitologie zurück ist. Als die Mutter wieder da ist und ich ihr mitteile, dass wir ihrer Tochter nicht prophylaktisch ein Wurmmittel geben, wird die Alte richtig pampig und dampft aus der Notaufnahme ab. Das sorgt doch bei der restlichen Belegschaft für Heiterkeit. Zumal auf dem Aufnahmebogen stand „MINOR MINOR complaints“- wenn das Mama gewusst hätte…

 

PATIENT 9: Zahnschmerzen

Details erspare ich euch. Nach einem Blick in den Mund habe ich ihm geraten, dass ein Zahnarzt vielleicht die richtige Adresse sei. Und ich bin froh, dass ich nicht Zahnmediziner geworden bin.

 

PATIENT 10: Crack- Unfall

Zum Schluss noch eine verdammt kuriose Geschichte:

Beim Erwerb von Crack sollte der Käufer probeweise an der Pfeife ziehen, um zu beweisen dass er nicht etwa ein getarnter Bulle sei. In dem Moment schlägt ihm der Dealer in die Fresse.

Um das weitere zu Verstehen nun ein kleiner Exkurs zum Aufbau der Crack- Pfeife (es war gerade ein Anästhesist da, der erstaunlich gut Bescheid wusste ?!). Der Filter (auch Brillo genannt) der Pfeife besteht nicht aus Papier, sondern aus Stahwolle- und wird dementsprechend beim Erhitzen erwärmt, um nicht zu sagen zum Glühen gebracht.

Bei Freiwerden der Aufprallenergie zwischen Faust und Pfeife wandelte sich der Filter in ein Geschoss um, dass sich geradewegs in den Rachen des Käufers bewegte. Aua.

Der gute Mensch hatte keine Atemnot oder so, aber nachvollziehbarer Weise Schmerzen. Eine normale Racheninspektion brachte gar nix, der Anästhesist hat es irgendwie geschafft, die Stimmlippen zu spiegeln, die aber ok aussahen. Bezüglich  des weiteren Vorgehens gab es ziemlich viel hin und her, so dass ich den Ausgang nicht mehr Mitbekommen habe…

Wen es interessiert: wenn man die Begriffe brillo, crack, aspiration googelt, bekommt man tatsächlich einen Case- Report zu einer fast ähnlichen Geschichte.

 

Nacht vorbei, ich geh jetzt ins Bett!

0 Kommentare | Permanenter Link

12./13.03.200716.03.2007

Wetter: 10- 13°C!!!!

Interessant, was unter der  Schneedecke  so alles zu Tage kommt…

 

NACHTDIENST 1

Lässt sich eigentlich nur mit total ätzend beschreiben.

Die Ärztin war eine Asiatin mittleren Alters, die wenig interessiert an allem war. Die Patientenvorstellungen hat sie sich immer völlig kommentarlos angehört. Ganz am Ende (von der gesamten Schicht also) kam  ich dann die Rückmeldung, meine Reports seien ja ziemlich schlecht. Vielleicht hätte sie unter der Schicht mal konkret sagen können, was denn genau so schlecht was- dann könnte man sich ja bemühen, es besser zu machen… Lustigerweise bin ich am Freitag noch für meine tollen Reports noch hochgelobt worden (Fazit: es geht doch nichts über Subjektivität ;-) Ich denke inhaltlich sind meine Patientenvorstellungen auch wirklich in Ordnung, die Schwächen in der formalen Darstellung sind sicher nicht von der Hand zu  weisen. Und nein, mein Englisch ist weder akzentfrei noch perfekt. Aber ich glaube ich mache mich langsam sprachlich. Am Anfang sagten fast alle Leute durchgehend: „oh, you´re German“ wenn sie mich hörten, mittlerweile überrwiegt die Frage, was denn das für ein akzent sei.

 Neben der Ärztin und mir war noch eine Resident im ersten Jahr da, die irgendwie meinte mich ausstechen zu müssen. Durch die ständigen Bewertungen ist dieser enorme Konkurrenzkampf unter den Studenten und jungen Assistenten gang und gebe. In diesem Fall war das natürlich total lächerlich, schließlich habe ich weder die Möglichkeiten noch die Motivation ihr das Wasser zu reichen. Schließlich ist sie die Kanadierin, Ärztin und für mich haben die Bewertungen keine Konsequenz. Na ja, am Ende der Nacht war sie ganz glücklich, als sie dann bessere Noten (oh Wunder) bekommen hat.

Insgesamt gab es nicht so viel zu tun, ich glaube ich habe 5 oder 6 Patienten gesehen. Es war nichts wirklich Spannendes dabei- Bauchschmerzen, „Brustschmerzen“, ein Erysipel…

Einzig außergewöhnlich war die junge Frau,  die in Brasilien von einem Insekt gebissen wurde und jetzt eine üble Entzündung hatte. Sah schon  hässlich aus…

Die einzige Platzwunde hat sich ganz schnell die Resident unter den Nagel gerissen- langsam gebe ich echt die Hoffnung auf, hier noch mal zum Nähen zu kommen (dabei kann ich doch zumindest das ganz gut *g*).

Ab zwei Uhr morgens habe ich dann noch richtig eklige pulsierende Kopfschmerzen bekommen, die sich auch nicht gerade positiv auf meine Motivation auswirkten.

Und mangels Patienten schlich die Zeit zwischen 3 und 7 Uhr übel vor sich hin (alle die hin und wieder oder des öfteren mal Nachtdienste schieben, dürften dieses Phänomen kennen).

Es war fast eine Erlösung, als ich mich um 9 Uhr mit zwei Ibuprofen ins Bett werfen durfte.

Aber wer kennt schon nicht gute und schlechte Tage bei der Arbeit- und nachdem ich mich hier und bei anderen Leuten ausgeheult habe geht’s schon wieder. *g*

 

Kurze Anmerkung für alle die sich fragen, warum ich mir denn nicht im Krankenhaus was gegen Kopfschmerzen eingeworfen habe- es gibt hier ein sehr interessantes System, wie Medis unter Verschluss gehalten werden: eine Art „Kommode“ mit vielen kleinen Schubladen und digitalem Display. Wenn ein Patient beispielsweise ein Rezept für ein Antibiotikum bekommt, die erste Dosis aber direkt hier und jetzt bekommen soll, muss die Schwester in diese Maschine ihre Kennnummer, die Patientennummer und das Medikament eintippen. Dann öffnet sich eine Schublade und sie kann sich zum Beispiel die zwei Tabletten  Cloxacillin oder was auch immer rausnehmen. Das interessanteste ist aber, dass in diesen Schubladen nicht die Packungen oder Blister liegen, sondern lose Pillen…

 

0 Kommentare | Permanenter Link

12.03.200712.03.2007

12.03.2007

Wetter 5°C, sehr bewölkt

Eigentlich gammel ich gerade ziemlich rum, muss erst um 23.00 Uhr arbeiten. Habe immerhin meine Wäsche gewaschen…

5 deutsche Dinge, die mir fehlen

1.) Fernseher: die destruktiven 15 Minuten zappen, wenn man von der Arbeit kommt

2.) Nudeln mit Ketchup

3.) RICHTIGE Körnerbrötchen

4.) mein Fahrrad

5.) deutsche Tageszeitung

 

5 kanadische Dinge, die ich gerne mit nach Münster nehmen würde:

1.) Ladenöffnungszeiten (7 Tage, 24 Stunden)

2.) die Preise für Markenklamotten ;-)

3.) Instant- Oatmeal in allerlei Geschmacksrichtungen

4.) Oreo- McFlurry (oder besser nicht…)

5.) U- Bahn

 

 

 

 

 

 

0 Kommentare | Permanenter Link

10./11.03.220712.03.2007

Wochenende

Am Samstag zeigt sich das Wetter bewölkt, eklig und um 0°C. Es ist diesig und lockt nicht nach draußen. Macht nix. Dann halt auf zum Überdachten shoppen. Im Eaton- Centre haben wir zunächst die Fressmeile geplündert, dann habe ich mir noch erfolgreich neue Sommer- Sneaker gekauft. Der zweite Eragon- Band  ist endlich als  Paperback raus, dementsprechend verbringe ich den restlichen Tag mir Gammeln und Lesen…

Sonntag werden wir von strahlendem Sonnenschein und milden 6°C überrascht. Gegen Mittag gehen Birgit und ich Pancakes essen- also original kanadisches Frühstück mit Ahornsirup und frischem Obst. Das müssen wir unbedingt zum Schluss noch mal wiederholen J

Danach lockt die Sonne uns nach draußen zu einem Spaziergang ins Distillery District- das ist ein altes Industriegelände, das renoviert und nun viele Galerien, Geschäfte und Cafés beheimatet. Die Sonnenstrahlen sind richtig warm und vermitteln das Gefühl von Frühling…

 

 

 

 

 

 

 

0 Kommentare | Permanenter Link

distillery district12.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

neue sneaker...12.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

09.03.200712.03.2007

 

Emergency Room Day 5 (17 bis 23.00 Uhr)

Chaos und bizarre  Fälle

Was für ein Tag... Ein sehr guter! Der Dienst heute war genau so, wie man sich einen guten ER Tag vorstellt: hektisch (Unmengen Patienten), chaotisch (CT kaputt) und alle Patienten alles andere als „straightfoward“. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Als ich um 17 Uhr eintreffe, stapeln sich die Charts an der Anmeldung. Im Rechner sehe ich, dass die meisten Patienten schon etwa 5 Stunden warten. An diesem Abend werden als ärztliches Personal zwei „richtige“ Ärzte und ich da sein. Ich stelle mich kurz bei der heute für mich zuständigen Ärztin vor, die auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck macht.

Da etwa 40- 50 Patienten warten, geht es schnell zur Sache.

PATIENT 1: night sweats, less urgent

Die Reihenfolge der Patienten setzt sich zusammen aus Wartezeit und nach der von der Schwester erhobenen Dringlichkeit. Nachtschweiß steht auf der Notfallskala sicher nicht sehr weit oben  und mein erster Gedanke war auch, das es schon erstaunlich ist, mit welchen Sachen sich Leute hier für fünf Stunden in die Notaufnahme setzten…

Zu den Wartezeiten sollte man noch  sagen, dass das kanadische Gesundheitssystem komplett staatlich und damit für alle kostenfrei ist. Deshalb ist die Toleranz bezüglich Wartezeit sicher höher als in Deutschland.

Bevor ich den Patienten hole, mache mir noch kurz Gedanken zur Differentialdiagnose Nachtschweiß: Infekt? Malignom? TB? Hyperthyreose? Diabetes? Alkohol? Stress?

Es handelt sich um einen sehr netten Mann um die 60. Er erzählt mir folgende Geschichte: Am Dienstag sei er beim Zahnarzt gewesen und habe einen Zahn gezogen bekommen. Wegen eines angeborenen Herzfehlers habe er Antibiotika zur Endokarditis-  Prophylaxe eingenommen. Seit Dienstag wacht er jede Nacht durchgeschwitzt mit Herzrasen auf. Er fühle sich dann heiß, habe aber kein Fieber gemessen. Ansonsten gehe es ihm bestens. Die restliche Anamnese bringt nichts wegweisendes zu Tage, die körperliche Untersuchung ist bis auf ein vorbestehendes Herzgeräusch unauffällig und das EKG zeigt keine Veränderungen zu Vorbefunden. Was  tun? Die Wahrscheinlichkeit für eine Endokarditis ist sicher nicht hoch, aber eine Prophylaxe bietet keinen 100%igen Schutz. Es gibt keine anderen Symptome, die nächtliches Fieber erklären würden. Die Art seines Herzfehlers macht ihn zum Hochrisikopatienten. Ein Echo würde definitiv weiter helfen. Ein Blick in die Datenbank verrät: ein Echo ist nicht vor nächster Woche zu bekommen. Meine  Ärztin versucht auf dem kurzen Dienstweg etwas zu erreichen, ist aber erfolglos. Kein Internist sieht sich in der Lage, den Patienten kurzfristig zu schallen. Neun Stunden nach seiner Ankunft ist entschieden: stationäre Aufnahme für mindestens 24 Stunden, Serie von Blutkulturen und vielleicht doch noch eine Echo, wenn irgendwann möglich. Da es kein Bett gibt, darf der Patient wenn er Pech hat den Rest der Nacht im Warteraum verbringen…

 

Anmerkung: ein Sache bringt mich regelrecht auf die Palme: die Unfähigkeit fast aller Leute, mal eben einen Ultraschall zu machen. In Kanada machen das ausschließlich Radiologen und das muss erst als Konsil angemeldet werden und die mit ihrer Kiste kommen. Jedes MR oder CT ist schneller zu bekommen. Das führt dazu, dass Patienten mit Bauch- oder Flankenschmerzen entweder gar keine Bildgebung bekommen oder eher ein CT. Ultraschall habe ich bislang nur bei gynäkologischen Patienten erlebt.

 

PATIENT 2: double vision, urgent

Es handelt sich um eine Mitte 80jährige, extrem schlagfertige und rüstige Dame, die seit dem Morgen alles doppelt sieht. Allerdings sind nahe Gegenstände scharf und beim Blick nach links nehmen die Doppelbilder zu.

Am Tag zuvor hatte sie einen Herzkatheter gehabt. Deshalb wurde vor 6 Tagen ihr Marcumar, das sie wegen Vorhofflimmern nimmt, abgesetzt. Ihre Vorerkrankungen sind mit Hypertonus, 1G- KHK und Carotisstenose für ihr Alter noch recht moderat. Ansonsten fühlt sie sich völllig wohl, keine Schwäche, kein Schwindel, keine Sprachstörungen…

Die neurologische Untersuchung ist komplett unauffällig. Die Tests macht sie besser als die meisten 40jährigen. Es geben sich keine Hinweise auf Augenmuskelschwächen, Labor und erstes CT sind unauffällig. Die Symptome sind für einen Schlaganfall ungewöhnlich- aber eine bessere Erklärung hat keiner. Wenn sie jünger wäre, würde man direkt an MS denken. Aber mit über 80? Auch sie wird aufgenommen und soll auf die Stroke Unit verlegt werden. Ein Bett hat sie zumindest schon.

 

PATIENT 3: narcolepsy

Ist zwar nicht mein Patient, aber ich habe ihn kurz gesehen und war tief beeindruckt. Mit einer bekannten Narkolepsie in der Anamnese ist er in den letzten Tagen extrem häufig zusammengebrochen und unter anderem auch hässlich auf den Kopf gefallen. Jetzt bietet er scheinbar eine Mischung aus fokalen Krämpfen und Narkolepsie. Eine Episode habe ich mitbekommen und das war noch wesentlich beeindruckender, als auf irgendwelchen Lehrvideos. Ich schätze, die Wahrscheinlichkeit noch mal jemanden zu sehen ist very very  low.

 

PATIENT 4: Bauchschmerzen

Meine nächste Patientin ist eine sehr nette (vor allem wenn man bedenkt, dass sie seit 6 Stunden auf einer Trage im Flur liegt) Frau in den Fünfzigern. Vor zwei Wochen ist sie an einem (wahrscheinlich bösartigen) Ovarial- Tumor operiert worden und im Bauch ist es wohl richtig siffig gewesen. Seit ein paar Tagen hat sie auf beiden Seiten im Unterbauch Schmerzattacken, als ob man ihr ein Messer in den Bauch stoßen würde. Sie hat kein Fieber, das Labor ist ziemlich unauffällig. Heute Mittag war sie deswegen bei ihrem Hausarzt und ist dann im Wartezimmer zusammengeklappt. Auf diesem Weg ist sie dann in der Notaufnahme gelandet. Bei der Untersuchung macht sie eigentlich keinen so schlechten Eindruck. Der Bauch ist weich und richtiger Druckschmerz ist was anderes. Die OP- Narbe ist völlig reizlos. Als ich 20 Minuten später mit der Ärztin wiederkomme, sieht das schon etwas anders aus. Der Bauch ist mittlerweile nicht mehr richtig weich, sie hat Schmerzen und zittert. Schnell ist klar, dass auch diese Patientin nicht nach Hause gehen wird. Konzept: CT mit Kontrastmittel, Fragestellung Bauchabszess. Problem: CT ist kaputt und nur eingeschränkt nutzbar, Vergleich mit Voraufnahmen wird in dieser Nacht definitiv nicht möglich sein. Also wird man bis zum nächsten Morgen warten und hoffen, dass der Bauch bis dahin nicht richtig hoch geht.

Da verstehe ich dann wieder die Ultraschall- Problematik nicht. Bei uns bekommt jeder mit Bauchschmerzen erstmal ein Sono bevor überhaupt ein  CT in Erwägung zieht. Die Kiste ist leicht  verfügbar und halbwegs schallen kann auch fast jeder. Ist schon im Sono ein ordentlicher Befund zu sehen, muss man eh in der Regel in den Bauch rein schauen. Sieht man nichts spektakuläres, kann man immer noch über das CT nachdenken.

Dass man hier noch nicht mal ein Sono in Erwägung zieht, wenn das CT nicht verfügbar ist, kann ich nicht verstehen. Aber so hat wohl jedes Land seine Eigenheiten…

 

PATIENT 5: Halsschmerzen

Eine junge Frau in meinem Alter kommt mit Halsschmerzen in die Notaufnahme. Typische Lappalie, wieder so eine Sache bei der man sich fragt, warum man sich damit den halben Tag in ein überfülltes Wartezimmer setzt. Rein äußerlich sieht sie jedenfalls ganz fit aus.

Sie erzählt, sie habe seit 10 Tagen Halsschmerzen und vor ein paar Tagen sei ihr Hals außen geschwollen gewesen und sie habe Antibiotika bekommen, die zunächst auch ganz gut geholfen haben. Jetzt tut ihr das Schlucken so weh, dass sie seit zwei nichts mehr gegessen hat. Flüssiges geht aber noch. Hellhörig werde ich, als sie sagt, sie würde den Mund nicht mehr richtig aufkriegen- Zähneputzen zum Beispiel sei schwierig.

Sie hat einen dicken zervikalen Lymphknoten, ansonsten ist der äußerliche Befund unauffällig. Als sie ihren Mund aufmacht, werden alle ganz schnell. Der Rachen ist auf der einen Seite so geschwollen, dass alles andere an die Seite gedrängt ist. Die Schwellung reicht sogar bis hinter die obere Zahnreihe. Wahnsinn! Alles schreit nach retropharyngealem Abszess und das kann richtig gefährlich werden. Notfall- CT organisiert (diesmal absolut indiziert), HNO- Ärzte verständigt, IV- Antibiose rein, Monitorbett organisiert und die Arme auf OP eingestimmt. Das wird kein schönes Wochenende…

 

PATIENT 6: hand injury

Das erste was ich beim Betreten des Untersuchungszimmers sehe, ist ein kleiner Finger, der im skurrilen Winkel von der Hand absteht. Als zweites sticht eine ordentlich geschwollene und blaue Hand in Augenschein. Das ist nicht vor fünf Minuten passiert…

Die gute Frau ist Ende siebzig und heute Morgen ausgerutscht und dabei auf die Hand geknallt. Außerdem ist sie extrem indolent und erzählt mir, der Finger habe zwar komisch in der Gegend rumgestanden, sie habe ihn dann aber eigenhändig wieder eingerichtet… Im Laufe des Tages hätten die Schmerzen dann aber doch zugenommen. Auf meine Frage warum um alles in der Welt sie denn nicht direkt am Morgen gekommen sei, meinte sie nur lappidar, sie hätte noch Termine gehabt und unter anderem noch zum Zahnarzt gemusst…

Außer Überprüfung von Sensibilität  und Durchblutung mache ich mit dieser Hand tunlichst gar nichts, sondern mache mich auf die Suche nach den Röntgenbildern (die in solchen Fällen direkt von den Schwestern angeordnet werden können, so dass der Arzt sie direkt vorliegen hat- das ist wirklich extrem nützlich. Bei uns guckt man sich so eine Verletzung an und sagt: „ Tja, ohne Röntgenbild kann man da gar nichts zu sagen.“) Die Bilder verheißen leider nichts Gutes. Die Grundphalanx des kleinen Fingers ist kurz oberhalb des Gelenks gebrochen und disloziert. Das lässt sich mit einem K- Draht richten. Schlimmer sieht die Handwurzel aus- die komplette obere Reihe ist mehr oder weniger zerbröselt. Das ist eine richtig schwere Verletzung. Also auch hier stationäre Aufnahme anleiern und die plastischen Chirurgen (die machen alles unterhalb des Handgelenks- bricht sich jemand den Unterarm und die Hand, muss man sowohl die plastischen Chirurgen als auch die Orthopäden verständigen…) anrufen.

 

23.10 Uhr: immer noch stapeln sich die Akten- aber ich gehe jetzt nach Hause. Fazit des heutigen Abends: nichts ist so wie es scheint…

 

 

 

 

0 Kommentare | Permanenter Link

9.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

08.03.2007 8.03.2007

Emergency Room Day 4 (11- 17.00 Uhr)

Wetter: -4°C, sonnig (eindeutig- der Frühling kommt *g*)

Heute gab es Leber. Nicht gebraten mit Äpfeln und Zwiebeln, sondern knotig- cirrhotisch (ich kenne ja keinen Mediziner, dem es spätestens nach dem Präpkurs beim Anblick von Innereien nicht anders wird). Erst Leberversagen bei PBC nach Transplantation und warten auf neue Transplantation, dann Leberversagen bei Ca nach alkoholischer Zirrhose und zum Schluss noch Leber- und Nierenversagen bei Hepatitis C. Dazwischen gab es noch febrile Neutropenie, Blut im Urin (das war eher schon Urin im Blut), ein angeblicher retropharyngealer Abszess (bei dem selbst ich als „keine Ahnung von HNO“- habende feststellen konnte, dass es kein Abszess ist), ein Mensch mit auslösendem Defibrillator und sogar zwei „Traumen“:  ein Mann hat sich eine Rippe gebrochen (und der hatte echt Schmerzen), das andere war eine „gebrochene“ Hand. Es handelt sich um eine aufgetakelte Dame, die scheinbar Anwältin o.ä. war. Sie sei vor zwei Tagen auf die Hand gefallen und jetzt  täte das etwas weh. Eine Klientin von ihr sei Ärztin und habe gesagt, das sei gebrochen. Das war eine totale Zicke, extrem wichtig und sich ständig am beschweren. Sie war halt als „unwichtig“ eingeteilt und da ist sie mit 90 Minuten Wartezeit noch ganz gut gefahren. Dieser Arm war jedenfalls so was von offensichtlich nicht gebrochen, da sie problemlos ihren Mantel zuknöpfen und es auch ansonsten ohne Einschränkung in alle Richtungen bewegen konnte. Sie hat dann aber trotzdem ihr Röntgenbild bekommen. Leider haben alle „vergessen“, es anzugucken (das ist der einzige Nachteil beim digitalen Röntgen- man muss einfach dran denken, die Bilder abzurufen) und am Ende hat sie echt vier Stunden gewartet. Sie ist dann vor Wut rauchend abgedampft ;-)

Dann gab es noch einen paranoid Schizophrenen. Der erzählte die ganze Zeit, ein Nachbar habe ihm etwas durchs Ohr ins Hirn geschoben und er werde bald sterben. Er hat an alle Zettel mit Namen und Anschrift seines Nachbarn verteilt, damit wir nach seinem Tod die Polizei verständigen können…

 

0 Kommentare | Permanenter Link

07.03.2007 7.03.2007

Emergency Room Day 3 (8.00 bis 16.00)

Wetter: -11°C, sonnig

Meine erste Patientin hatte es wirklich in sich: HIV/ Aids, Hepatitis C, Tbc (fraglich aktiv) und als eigentlichen Aufnahmegrund eine Herpes- Cervizitis (Aua…). Ehrlich gesagt war ich ziemlich überfordert mit der Patientin, die sich abwechselnd vor Schmerz krümmte und schrie sie wolle sterben bzw. große Mengen an eitrigem Schleim abhustete… Die Ärztin, mit der ich zusammengearbeitet habe, hat das aber sehr kompetent gemanagt- wenn man mal von der gynäkologischen Untersuchung absieht, bei der die Frau in etwa die ganze Notaufnahme zusammen geschrieen hat (aber Herpes muss einfach auch schrecklich weh tun).

In der Zwischenzeit gab es für mich Nasenbluten, Blut im Urin nach Hämorrhoiden- OP, umgeknickter Knöchel, mit Kopf auf Straßenbahnschienen aufgeschlagen und anderer Kleinkram. Am Ende wurde noch eine frei mit hypertensiver Krise eingewiesen, der systolische Blutdruck hielt sich stolz zwischen 240 und 250 mmHg. Einweisungsgrund: Kopfschmerzen… Das Beste war, dass sie zwar von den Schwestern als Notfall aufgenommen worden war, aber trotzdem keiner einem Arzt Bescheid gesagt hatte. Dann habe ich die Anamnese aufgenommen und sie erzählt mir: plötzliche Kopfschmerzen aus dem nichts, „so wie noch nie“ und eigentlich habe sie nie Kopfschmerzen. Dann ging es mit dem CT doch auf einmal sehr schnell. Das war dann zum Glück ok, es war also doch „nur“ der Blutdruck.

Nach einem Abstecher auf den Food Court konnte ich mich dann nach Hause aufmachen. In den Krankenhäusern gibt es richtige Fressparadiese, wie in großen Einkaufsketten. Es sind alle möglichen Fast Food- Ketten zu finden. Im Kinderkrankenhaus ist sogar ein Burger King… das sollte man bei uns mal versuchen…

 

0 Kommentare | Permanenter Link

06.03.2007 6.03.2007

Emergency Room Day 2 (8.00 bis 16.00 Uhr)

Wetter: -19°C, sonnig

Man könnte auch sagen: es ist frisch geworden.

Habe eigentlich damit gerechnet, dass in der Notaufnahme ganz viele Leute mit Unterkühlung oder ausgerutscht eintreffen. War aber nur eine einzige Patientin. Die Menschen sind das Wetter ganz offensichtlich gewöhnt. Als ich Herford Unfallchirurgie gemacht habe war ja überspitzt gesagt jedes zweite Kind vom Schlitten gefallen/ überrollt oder wogegen gefahren…

In dieser Woche bin ich im Toronto General eingeteilt. Das hat zwei wesentliche Vorteile: erstens komme ich prima in 10 Minuten mit der U- Bahn hin und zweitens ist direkt gegenüber ein großes  Kinderkrankenhaus- also keine dramatisch nach Luft schnappenden oder blutspritzenden Kleinkinder.

Es gibt keinen festen Arzt, dem man zugeteilt ist, sondern jede Schicht kommt jemand anderes. Das hat sicher seine Vor- und  Nachteile. Der von heute war ganz ok, aber jeden Tag wollte ich mit dem nicht zusammenarbeiten (anstrengend). Zunächst wurde mir der ER gezeigt. Es gibt 22 Betten mit Monitor und außerdem noch zwei Gips- und einen Nahtraum. Dort stehen noch mal neun Betten. Als Untersuchungsräume gibt es noch einen HNO- und Augenraum. Der Arzt hat mir aber erklärt, dass eh alles mit internistischen Patienten voll belegt sei (und das ist auch in der Tat so). Dann gibt es noch einen Fast Track- Waiting Room für die etwas dringenderen Patienten, die nicht bettlägerig sind und den ganz normalen Warteraum. Die Einteilung macht eine Schwester, sie reicht von Wiederbelebung über Notfall, dringlich, weniger dringlich bis zu nicht dringlich. Dementsprechend werden die Akten einsortiert. Mit einem verstauchten Finger kann man also einige Stunden Wartezeit aufbringen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo diejenigen Patienten die aufgenommen werden in der Regel dann auch schnell auf Station kommen, ist es hier nicht unüblich, dass die Patienten 1 bis 2 Tage im ER bleiben, bis irgendwo ein Bett frei geworden ist. Es werden aber auch viele Leute gar nicht erst aufgenommen.

Die ersten paar Patienten habe ich dann mit dem Arzt zusammen gemacht, dann bin ich alleine losgezogen. Mit der Ausnahme eines dicken Knöchels waren es tatsächlich alles nur internistische Fälle. Für den ersten Tag waren ein paar undankbare Sachen dabei (Schwindel, Unwohlsein, Verwirrung), aber im Großen und Ganzen ist es ganz gut gelaufen.

Etwas später kam noch eine kanadische Studentin dazu, die im  nächsten Monat mit dem Studium fertig wird. Die müssen in der ersten Hälfte ihrer Schicht vor allem „procedures“ machen, in erster Linie also Blut abnehmen und Zugänge legen. Kommentar von der Studentin: „Weil wir das ja angeblich nicht können.“ Diese Dinge sind hier in aller  Regel auch  Schwesternsache. Kurze Zeit später war ich dann bei einem Patienten, den sie attackiert hatte- der Arme hatte beide Arme mehr oder weniger von oben bis unten verpflastert…

Heute Abend sind Birgit, Eva und ich Sushi Essen gewesen. Ich habe mich durchgerungen, es mal richtig zu probieren- aber mein Ding wird das sicher nicht! Es gab erst Algen- Suppe und danach die Sushi und Bohnen (mit Abstand das Beste!). Der Fisch war für mich so lange halbwegs essbar, bis mir auffiel, dass auch Kaviar drin ist. Da war es dann bei mir vorbei. Nicht dass man davon viel geschmeckt hätte, aber alleine die Konsistenz dieser Eier… brrrrr…

Danach sind Eva und ich noch weiter ins Kino und haben uns das Leben der Anderen angeguckt. Zu meiner großen Überraschung war der Film wirklich auf Deutsch (mit englischem Untertitel)- aber es soll ja auch eine deutsche „Unart“ sein, alle Filme zu synchronisieren. Der Film war auf jeden Fall sehr gut und lohnenswert!

 

 

0 Kommentare | Permanenter Link

05.03.2007 5.03.2007

Emergency Room Day 1

Wetter: -5°C, eisiger Wind

Nachdem man unzähligen Kanadiern gefragt wird, warum um alles in der Welt man unbedingt im Winter hierin gekommen ist, nun meine fünf Gründe, warum die Idee gar nicht  so schlecht ist:

1.)    Meine Wollpullis und Winterstiefel wollen auch mal getragen werden.

2.)    Habt ihr schon mal einen Blizzard miterlebt???

3.)    So viel Schnee am Stück habe ich in meinem Leben noch nicht gehabt.

4.)    Es sind kaum Touristen da.

5.)    Als ob der Februar in Deutschland etwa schön wäre…?!

 

 

Heute ist also der große Tag: Start im Emergency Room. Ich habe keine feste Zeit bekommen, nur eine Büroadresse, bei der ich mich einfinden soll. Eigentlich ist das Toronto Western gar nicht so weit weg, aber die Fahr mit der Straßenbahn zur Rush Hour ist mühsam. Die Bahnen bestehen nur aus einem Wagen und bewegen sich nur im Schritttempo vorwärts- scheinbar haben Schienenfahrzeuge hier keinen Vorrang auf der Straße.

Das Registration Office im Nebengebäude habe ich relativ zügig gefunden. Wieder gab es eine Menge Papier zum ausfüllen. Nächste Herausforderung: ID- Badge besorgen. Wie man mir erklärte, wird diese nicht im Western, sondern im Toronto General Hospital hergestellt. Also als nächstes wieder zurück in Richtung Innenstadt und im General in eine lange Schlange eingereiht. Die gute Frau an der ID- Maschine erzählte uns dann ganz treuherzig, sie könne die Maschine eigentlich gar nicht bedienen und habe nur 5 Minuten Einweisung bekommen. Dementsprechend hat sich pro richtig produzierter Karte etwa 4 verwerfen müssen. nach einer Stunde kam dann zum Glück der eigentlich zuständige Mensch wieder, was den ganzen Prozess erheblich beschleunigte.

Mit Ausweis samt schrecklichem Foto wieder zurück zum Western, diesmal zum Büro der für die Koordination in der Notfallmedizin tätigen Studenten Sekretärin. Da stand ich erstmal vor verschlossenen Türen. Aber da ich  ja mittlerweile in kanadischer Bürokratie bewandert bin, habe ich in der Zeit schon mal Scrubs besorgt (natürlich gegen ein entsprechendes Pfand…) und als ich zurück war, war dann auch die Sekretärin da. Ich habe einen Dienstplan in die Hand bekommen und erfahren, dass ich heute erstmal frei habe, da die ihre neuen Studenten am ersten Tag nie einteilen. Ansonsten teilen sich die Schichten auf das Toronto Western und General auf. Dann habe ich einen Stapel Evaluationskarten bekommen- jeder Student wird jeden Tag von seinem zuständigen Arzt bewertet und muss die Karten dann wieder im Education Office abgeben. Daraus machen die dann eine Gesamtbewertung. Für die kanadischen Studenten ergibt sich daraus ein Teil der Scheinnote, für mich gar nichts. Trotzdem muss ich das machen. Na ja, was solls.

Mit dem Rat, mich schnell um einen Termin fürs Computer- Training zu kümmern, hatte ich dann früh Schluss. Ich habe noch versucht, aus dem Krankenhaus dort anzurufen, aber statt dem Computer- Service hatte ich (warum auch immer) das Fitness- Studio am Telefon. Per mail hat die Terminvereinbarung dann aber geklappt ;-)

Den Nachmittag habe ich zu einem Bummel durch das Eaton- Centre genutzt und ein Paar Sneakers und Jeans entdeckt, die ich mir am Wochenende holen werde. Man streiche es rot im Kalender an: ich habe ein Paar Jeans anprobiert und sie haben gepasst!!!!

 

0 Kommentare | Permanenter Link

Wettervergleich 5.03.2007

wetter.de meldet: Münster, 06.03.07: 7- 10°C, Regen

weather.ca meldet: Toronto, 06.03.07: -21- -13°C, mainly sunny

also hier ist es zumindest sonnig (ist ja auch zu kalt für Schnee) :-)

0 Kommentare | Permanenter Link

skyline 5.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

eisig? 5.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

04.03.2007 5.03.2007

 

Wetter: 0°C, bewölkt

Nachdem das Wetter heute etwas angenehmer war und wir die Hoffnung, in den nächsten Wochen noch „frühlingshafte“ Temperaturen zu erreichen, ziemlich aufgegeben haben, haben wir eine Outdoor- Aktivität gewagt.

Direkt vor Toronto, im Ontario- See, liegen die Toronto- Islands. Das ist eigentlich ein Naherholungsgebiet mit Picknickwiesen und Freizeitpark. Der Blick auf die Skyline ist von dort wahnsinnig. Eine meiner WG- Mitbewohnerinnen kommentierte unsere Pläne mit: „Oh, it´s really nice- in the summer.“ Zur Zeit ist dort jedenfalls der Hund verfroren. Wir sind erst etwas am Wasser gelaufen, wo es auch recht geschützt war. Der Ausblick ist brilliant. Dann haben wir es geschafft, uns halb auf der Insel zu verlaufen. Uns ist bestimmt in 45 Minuten keiner begegnet (und das in einem Ballungsraum mit 5 Mio Einwohnern…) und wir sind tapfer über Schnee und Eis in einem verlassenen Amusement Park (will re-open mid May) gestapft. Das hatte schon etwas surreales und wir fanden beide, man könnte dort schon fast einen Horrorfilm drehen: lauter verrammelte Buden und Häuser, halb abmontierte Fahrgeschäfte und Schaukeln, die sich dezent im Wind bewegten. Wir haben den Weg aber- offensichtlich- doch gefunden. Nach zwei Stunden waren wir aber verdammt froh, wieder auf der warmen Fähre zu sein.

In der Region gibt es zur Zeit eine Benzinknappheit, da eine Raffinerie nicht voll funktionsfähig ist. Die Leute stöhnen jedenfalls massiv über die hohen Benzinpreise von aktuell 1,02$- das entspricht in etwa 0,65€ pro Liter. Warum entlocken mir diese Diskussionen bloß nicht mehr als ein mattes Lächeln????

0 Kommentare | Permanenter Link

5.03.2007

0 Kommentare | Permanenter Link

03.03.2007 5.03.2007

03.03.2007

Wetter: 4°C, nass, kalt, eklig

Heute war der bisher wärmste Tag- und er war zu eklig, um rauszugehen. Die durchdringende Nässe erinnerte stark an die deutsche Heimat.

Dementsprechend fiel das Tagesprogramm auch mager aus. Morgens waren Birgit und ich zusammen mit Eva und einer anderen PJ´lerin frühstücken. Ich habe mich an ein Omelett gewagt und es war- sagen wir mal- amerikanisch. Serviert mit Ketchup und Bratkartoffeln. Nächstes Mal werden definitiv die Pancakes ausprobiert.

Danach sind wir noch schnell einkaufen gewesen (keinen Streuselkuchen) und danach wars ein richtiger Gammeltag.

 

1 Kommentare | Permanenter Link

02.03.2007 5.03.2007

 

Wetter: 1°C, massiv tauend…

In der U- Bahn stand das Wasser an manchen Stellen knöcheltief. So richtig konsequent ist der Winter nicht: Schnee- Tauwetter- Schnee- Tauwetter…

Heute war mein letzter Tag in Sunnybrook, es ist ziemlich unspektakulär verlaufen. Eva und ich haben nur noch unsere Patienten auf dem Laufenden gehalten und übergeben. Ich habe mich noch etwas länger mit meinem sehr netten Patienten unterhalten, der sich in Mexiko das Bein gebrochen hat und das Pech hatte, dort operiert zu werden. Jetzt hat er eine septische Athritis (unter anderem mit Fäkalkeimen…) und mindestens 6 Wochen IV- Antibiose gepachtet, mal ganz davon abgesehen, was aus dem Bein wird. Also merken: nie in Mexiko operieren lassen!

Die Kanadier haben gute Chancen, die deutsche Bürokratie in die Schranken zu verweisen. Den Zettelwust, den ich an meinem ersten Tag ausfüllen musste war ein guter Beweis dafür. Aber das war ja außerordentlich effektiv- ich sage nur Spind/ Pager/ Kittel/ Passwort. Das hätte man in Deutschland in vier Monaten nicht zusammenbekommen.

Allerdings war es doch erstaunlich, wie man scheitern kann, wenn man einfach seinen Kittel nur zurückgeben will. Ich bin nichts Böses ahnend zu der Ausgabestelle gegangen und dachte  mir, ich gebe denen den Kittel zurück, die mir einen Stempel und damit gehe ich zur Kasse um meine 20$ zu bekommen. So einfach ist das allerdings nicht. Der Mensch in der Wäscherei klärte mich darüber auf, dass zur Rückgabe eines Kittels zunächst das GELBE Formular vonnöten sei (einen Kittel bekommen tut man mit dem BLAUEN Formular). Das GELBE Formular bekommt man im Medical Education Office, bei der Wäscherei darauf einen Stempel und dann sein Geld. Beim Versuch, das GELBE Formular zu erhalten habe ich mich ganz schrecklich verlaufen (bezeichnenderweise in der Psychiatrie- und ich habe nicht mehr rausgefunden!) und bis ich am richtigen Office war, war dort keiner mehr. Jetzt habe ich einen Kittel, auf dem vom eigentlichen Aufdruck „Sunnybrook Health Sciences Centre when it matters most“ in etwa „Sunnybroo Health Sciences Cen when it mat mos“ übrig ist- exzellente Drucktechnik ;-)

Ich bin gespannt, welche Hürden mich am Montag im Toronto Western erwarten.

Abends sind Birgit und  ich noch spontan mit einigen Kanadiern aus dem St. Joseph in einen Irish Pub gegangen, was total nett war. Zu Beginn lief Live Eishockey und man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen. Kanadisches Bier schmeckt aber auch nicht besser als deutsches. Den Weg mussten wir sehr schlitternd zurücklegen, da sich mittlerweile eine solide Eisschicht auf den Bürgersteigen gebildet hatte. Aber alle Knochen sind heile geblieben…

 

0 Kommentare | Permanenter Link

Page 1 of 3
Vorherige Seite | Nächste Seite
Hol dir auch ein Blog - kostenlos bei BlogYa.de - Für die Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Nutzer verantwortlich.

Casino Spiele  Online Blackjack Spielen  Online-Casino  Spielautomaten online spielen